Pflichtdienst im Gesundheitswesen

Geschrieben von Masin Al-Dujaili am Wednesday, 25. March 2020 in Gesellschaft und Politik

Ich bin kein ausgewiesener Experte, kein Politiker oder Jurist. Nur interessierter Laie.

In den vergangenen Wochen seit Ausbruch der Pandemie ist klargeworden, dass zu Schönwetterzeiten Kapazitäten zur Krisenbewältigung nicht vorgehalten werden, weil sie große Kosten verursachen. Erst heute habe ich gelesen, dass die Experten vom Robert-Koch-Institut die heutige Situation für die Regierung wie in einem Drehbuch beschrieben hätten:

2013 wurde dem Bundestag eine Risikoanalyse des Robert Koch-Instituts für gerade dieses Szenario vorgestellt. Dass sich die Risikoanalyse vom 10.12.2012 nicht einmal acht Jahre später wie ein Drehbuch dessen liest, das wir gerade durchleben, kann man als blanke Ironie ansehen, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung diesen Bericht ersichtlich nicht zum Anlass genommen hat, entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Im Hinblick darauf wird man zur gegebenen Zeit fragen müssen, ob wir hier Zeug*innen eines beispiellosen Versagens geworden sind und wie wir das in Zukunft vermeiden können.

Nun ist es ja nicht so, dass das das erste Mal gewesen wäre, dass Krisen vorhergesehen wurden. Ich erinnere mich daran, dass seit 2011 oder 2012 vor einer großen Flüchtlingsbewegung nach Europe gewarnt worden wäre, auf die Europa nicht vorbereitet sei. Man hatte also mehrere Jahre, um Kapazitäten an Flüchtlingsunterkünften aufzubauen oder vor Ort zu helfen, bevor 2015 das Szenario tatsächlich eintrat.

Jetzt ist es so, dass es zumindest einen Bereich gibt, wo Kapazitäten vorgehalten werden, ohne dass sie akut benötigt würden: beim Militär. Ca. 25 Milliarden Euro jährlich bezahlen wir gemeinschaftlich, um uns ein Militär zu finanzieren, das seiner Aufgabe der Landesverteidigung wohl nie nachkommen wird. Warum hier mit zweierlei Maß gemessen wird, kann ich nur vermuten, aber neben historischen Gründen kann ich mir auch vorstellen, dass ein stehendes Heer gewisse patriarchalische Neigungen befriedigt, die ein ausreichend großes Gesundheitssystem oder Kapazitäten zur humanitären Hilfe nicht befriedigen können.

Aber vielleicht lässt sich vom Militär ja was für den Krisenfall lernen. Ich denke da an den guten alten Wehrdienst. Im Moment scheint ja eines der Probleme der schnellen Aufstockung an Intensivpflegebetten zu sein, dass gar nicht ausreichend Personal da sei. Vielleicht ließe sich dem abhelfen, wenn es eine Art Pflichtdienst im Gesundheitswesen für alle Schulabgänger gebe, 12 Monate nach der Schule oder Ausbildung. Dazu Pflegekraft auf Zeit für 4, 8 oder 12 Jahre (PaZ4, PaZ8, PaZ12). Und natürlich Berufspflegekräfte. Dazu eine Pflegekraftreserve, die im Krisenfall "einberufen" werden kann.

Das bringt natürlich nichts, wenn man 10 Jahre nach dem eigenen Dienst einberufen wird, man hat ja alles vergessen – es braucht regelmäßige Auffrischungen, z.B. jedes Jahr zwei Wochen oder alle 4 Jahre ein Monat. Das hilft auch, mit dem Stand der Technik halbwegs vertraut zu sein.

Ich gebe es offen zu: Ich habe meinen Pflichtdienst nicht leiden können. Rückblickend war es eine lehrreiche Zeit, aber ein Einschnitt in meine Planungen war es auch. Und ich sehe auch nicht, dass der Zeitgeist eine solche Maßnahme unterstützen würde – zu groß sind heute wohl die Widerstände gegen solche Einschnitte in die selbstbestimmte Berufs- und Lebensplanung. Aber es wurde in der Diskussion um Kontakt- und Ausgangssperren nach Alternativen gefragt. Und wenn das Gesundheitssystem flexibel auf die Erfordernisse reagieren könnte, müssten solche Diskussionen nicht geführt werden. Dafür würden halt Einschnitte an anderer Stelle stattfinden. Und darüber müsste diskutiert werden.

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KeePassXC-Features, die mehr Beachtung verdienen: Multiple URLs, Sharing, AutoOpen

Geschrieben von Masin Al-Dujaili am Wednesday, 18. March 2020 in Technik

(Anm. d. Autors: Dies ist die zweite Fassung, nachdem die erste im Cache des Browsers verloren ging. Es kann meiner Ungeduld angelastet werden, wenn der Text irgendwo inhaltliche Sprünge macht. Sie waren in der ersten Fassung nicht vorhanden. smiley)

Multiple URLs

Sowohl bei meinem ehemaligen wie auch meinem Aktuellen Arbeitgeber nutzen wir ja einen zentralen Verzeichnisdienst (LDAP dort, Active Directory hier), um Authentifizierung bei div. Diensten umzusetzen. Die laufen aber teilweise unter verschiedenen Subdomänen.
 
KeePassXC bietet aber nur ein Feld für eine URL, mit der die Browser-Erweiterung KeePassXC-Browser (Firefox-Erweiterung, Chrome-Erweiterung) einen Vergleich durchführen kann.
 
Ein ehemaliger Kollege hat mir mal gezeigt, dass man dem URL-Feld ODER-Verknüpfungen injizieren kann, aber das bricht die Funktionalität des Doppelklicks auf den URL-Eintrag in der Listenansicht (Öffnen der hinterlegten URL).
 
Eine andere langjährige Empfehlung war es, einfach einen "Klon" des Eintrags mit den Zugangsdaten zu machen, wo der Klon dann nur Verweise auf die ursprünglichen Daten enthält (die GUI bietet leider keine Möglichkeit, Verweise manuell anzulegen).
 
Jetzt habe ich aber herausgefunden, dass KeePassXC seit 2.5.0 (erschienen Oktober 2019, aktuell ist 2.5.3) die erweiterten Attributen von KeePass2Android für das Hinterlegen weiterer URLs unterstützt. Neben dem direkten Bearbeiten der erweiterten Attribute gibt es unter dem Tab "Browser-Integration" auch das Feld "zusätzliche URL's (sic!)", dessen Einträge dann auch als KP2A_URL(_#)-Attribute auftauchen.
 
Fehlt nur noch die GUI, um die Einträge aus KeePassXC heraus aufrufbar zu machen.

Sharing

Während meines Umzugs von 1Password –was mir bei Secuinfra nahegelegt wurde und dem ich einen Monat lang eine Chance gegeben habe, mich zu überzeugen– zu KeePassXC habe ich mir meine Einträge schon ordentlich in Gruppen sortiert. Dabei fiel mir der Einstellungsreiter "KeeShare" auf, wo mir allerdings nur angezeigt wurde, dass KeeShare derzeit deaktiviert sei. Flugs mal gesucht, was es damit auf sich hat, und diese Dokumentation gefunden.
 
Die Anleitung finde ich jetzt nicht sonderlich gelungen. Aber sie ist ausreichend für erste Tests.
 
Prinzipiell erstelle ich mir für jede Installation, wo ich Export oder Sync nutzen will, einen Schlüssel, mit dem ich meine Änderungen signieren kann. Wo ich Import oder Sync nutzen will, muss ich dem Schlüssel vertrauen.
 
Sync besteht de facto aus einem Export und einem Import.
 
Was gibt es zu beachten? Effektiv ist KeeShare nichts anderes als die Erstellung eines Auszugs des aktuellen Schlüsselrings in einem neuen Schlüsselring. Das wird bei jeder Sicherung durchgeführt. Wer also die Option zur automatischen Sicherung aktiv hat, löst nach jeder Änderung einen Export aus. Ich verwende momentan nur die Sync-Option, kann also nicht sagen, wann der Import durchgeführt wird. Aber in anderen Kontexten erkennt KeePassXC sofort, wenn eine Datei geändert wurde, also gehe ich davon aus, dass der Sync- bzw. Import-Schlüsselring dauerhaft auf Veränderungen überwacht wird (kostet ja nichts).
 
Das bedeutet aber eben, dass eine Änderung in Verbindung mit Autosave eine Kaskade an Änderungen auslösen kann. In meinem Fall wurde munter hin und her ge-sync-t. Ich gleiche nur eine Gruppe mit meinen persönlichen beruflichen Einträgen mit meinem privaten Schlüsselring ab, so dass ich ggf. auch von anderen Rechnern auf meine Mails und Kalender zugreifen kann. Vorsicht ist geboten bei dem Feature, Einträge in andere Schlüsselringe zu verschieben. Ich habe durch schlechtes Timing des Syncs dabei meinen Eintrag für Office 365 verloren. Glücklicherweise hatte ich noch auf einem anderen Gerät die alte Version und konnte meine Daten retten.
 
KeeShare nutzt für Import und Sync die Funktion zum Zusammenführen (Merge) (s.a. Menü "Datenbanken" -> "Datenbanken zusammenführen"), ein ebenfalls sehr praktisches Feature. Letztlich ist KeeShare nur ein Automatismus für das Mergen: Eine Gruppe wird in einen Schlüsselring exportiert, diese wird am Ziel wieder importiert. Wie dieser Export-Schlüsselring seinen Weg ans Ziel findet, ist jeder und jedem selbst überlassen. Ich verwende das momentan nur lokal, aber Teams könnten so einzelne Gruppen teilen und die Datei dann mittels Nextcloud, Syncthing oder Netzlaufwerk austauschen.

AutoOpen

Beim Suchen nach der Doku zu KeeShare stieß ich auf die Sonderbehandlung des Ordners "AutoOpen". Einträge in AutoOpen werden beim Entsperren des Schlüsselrings automatisch geöffnet und entsperrt. Dazu muss der Pfad im URL-Feld, das Passwort im Passwort-Feld und ggf. die Schlüsseldatei im Benutzernamens-Feld stehen. Sehr praktisch für all die, die mit mehreren Schlüsselringen jonglieren müssen.
 
Das funktioniert so auch mit KeePass2Android.
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